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Der goldene Glanz der Ikonen

Der goldene Glanz der Ikonen
Der goldene Glanz der Ikonen
© Rudi Grabowski / Pixabay

Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1-12)

Es gibt unzählig viele Bilder vom Gott der Bibel in den Erfahrungen der Menschen, die in den Glaubensgeschichten des Gottesvolkes erzählt und weitergegeben wurden. Es gibt ebenso viele Vorstellungen von dem, was oder wer er sein könnte im religiösen Suchen. Je mehr die Menschen Kenntnis haben von fast der ganzen Welt und ihren vielen Religionen, vermischen sich diese Gottesbilder häufig - und auch die treuesten Christinnen und Christen wissen oft nicht mehr so genau, ob sie etwas von Gott nun aus der Bibel kennen oder irgendwo anders her.

Das ist verwirrend. Wir dürfen und sollen uns Gott ja nicht selbst machen oder aus verschiedenen Bildern oder Texten selbst zusammenbauen. Unser Gott ist der, der sich mitteilt, sich offenbart in der Geschichte Israels und der Heiligen Schrift, das ist sein Name: „Jahwe – Ich bin, der ich bin.“ (Vgl. Gen 3,14) Und dennoch ist es, wie ich schon sagte, schwierig genug, ein treffendes Bild von Gott zu finden.

Ist Gott barmherzig oder zornig? Ist er uns nahe oder fern? Ist er gnädig oder willkürlich? Es gibt viele Fragen, viele Gründe zu zweifeln. Gerade auch angesichts von Krisensituationen wie der derzeitigen sogenannten Corona-Krise, die natürlich auch die Frage nach Gottes Tun und Handeln provoziert, wächst die Skepsis in Bezug auf die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wie kann ich ihn wahrnehmen? Zudem: Belege und Kritikpunkte der Sichtweisen findet man sicher etliche. Das ist tatsächlich verwirrend.

Der Evangelist Johannes zeigt einen Weg, wie er mit der Gottesfrage umgeht. Der ist, wie es die Ikonenmaler als den goldenen himmlischen Hintergrund auf ihren Ikonen zeigen, sichtbar in seiner entscheidenden Feststellung: Ohne Jesus gibt es keinen Weg zu Gott. Wir dürfen uns Gott nicht selbst ausdenken oder gar herstellen. Nur der Gott Jesu ist unser Gott. Und von daher sollten wir zu denken und zu sehen lernen.

Und warum ist das so?

Darauf gibt Johannes zwei klare Antworten. Die erste Antwort ist: Jesus hat seinem Gott, den er innig Vater nennt, vertraut - und ist nicht enttäuscht worden. „Es ist vollbracht!“, hat Jesus gesagt (Joh 19,30). Vollbracht ist das grenzenlose Vertrauen. Und dieses Vertrauen wird von Gott bestätigt. Es lohnt sich also, Gott zu vertrauen.

Es lohnt sich? Vorsicht! Glaube ist kein Geschäft, aber lohnen soll er sich schon. Ich soll etwas davon haben, wie Jesus an Gott festzuhalten auch gegen jeden Augenschein. Das ist richtig und auch Johannes sehr wichtig. Es entspricht seiner eigenen engen Verbindung mit Jesus. Johannes wirft seine eigene Erfahrung in die Waagschale. Deshalb bittet Jesus nach den Worten des Evangelisten seine Zuhörer und Zuhörerinnen eindrücklich, an Gott und an ihm, der uns den Vater zeigt, festzuhalten und mit ihm verbunden zu sein wie Reben am Weinstock.

Festhalten am Glauben, an Gott - wie geht das? Festhalten am Glauben und an Gott, das heißt: Was Jesus erfahren und gelebt hat, ist mein Haltepunkt. Und ich werde gestützt durch das Zeugnis des Johannes. Ich lasse nicht davon ab, zu vertrauen, dass Gott nur Gutes für mich will. Oder um es mit den Worten der Heiligen Schrift zu sagen: Ich halte daran fest, dass Gott mich liebt, dass er alles, was er geschaffen hat, liebt. Der Glaube wird gestärkt dadurch, dass ich nicht von ihm und seiner Liebe lasse. Mir kommt die große Theresa von Avila in den Sinn. Wie sagte sie doch: Solo Dios basta! Gott allein genügt! Eben das genau zeigt das Leben Jesu. Und von da hat es die große Theresa auch her. Jesus hat dem Vater vertraut. Und der Vater hat sich keinen Augenblick von ihm abgewandt. Damit belegt Jesus: Vertrauen in Gott lohnt sich. In ihm werden die Krisen zum positiven Wendepunkt, und das sogar durch den Tod hindurch!

Und dann gibt es eine zweite Antwort, warum Jesus der Weg zum Vater ist und bleiben soll. Mit seinem Leben hat Jesus etwas gezeigt, das bei uns manchmal in den Hintergrund tritt oder aber in Vergessenheit gerät: Jesus glaubt an einen größeren Himmel als nur den, der sich blau über uns ausspannt. Man könnte sagen: Jesus hat den weiteren Blick. Er sieht den goldenen, den himmlischen Urgrund und lebt aus ihm, wie auf den erwähnten Ikonen. Das ist ein Blick, der die irdischen Grenzen sprengt und über den Horizont des alltäglichen Kleinkrams hinweg schaut, ohne das Alltägliche aus den Augen zu verlieren.

Das Leben ist nicht alles, das wusste Jesus. Die Erde ist nicht alles. Als treuer und gläubiger Jude, der die heiligen Schriften seiner Religion gut kannte, wusste Jesus auch um den „neuen Himmel und die neue Erde", die in Gottes Plan sind. Ein solcher Blick sagt auch: Wir müssen nicht alles schaffen. Wir müssen nicht alles können. Wir sind nicht eingezwängt ins Irdische, nicht einmal ins Grab. Wer dieses Leben „vollbringt", verschwindet nicht in einem Nichts, sondern wird aufgehoben in die Herrlichkeit Gottes - ein großer Trost also, von dem Jesus auch selbst spricht: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Vgl. Joh 11,25). Leben ist viel mehr als irdisches Atmen. Und mehr als Glauben. Denn aus dem Glauben wird Schauen werden. Und Jesus weiß: Dann „werdet ihr mich nichts mehr fragen." (Joh 16,23).

Im Leben und im Tod - nur Gott. So könnte es Jesus auch gesagt haben. Im Gespräch mit seinen Jüngern sagt er es so: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Vgl. Joh 14,6). Nur durch mein Vertrauen; nur durch mein Festhalten an Gottes Liebe; nur durch mein Bitten und Danken und meine Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit. Darum sagt Jesus: Nur durch mich.

Das sind Worte voller Selbstbewusstsein. Aber es sind keine leeren Worte. Sie sind angefüllt mit dem ganzen Leben Jesu. Mit jedem Schritt beglaubigt Jesus seine eigenen Worte. Mit jeder Handlung bekräftigt er sein Vertrauen. Und mit jedem seiner Wunder und Zeichen zeigt er uns die Nähe Gottes, des Vaters. Das ist wichtig. Jesus spricht nicht nur, er zeigt auch. Sogar bei Johannes zeigt er oder tut Wunder: Bei der Hochzeit in Kana lässt er die ewige Herrlichkeit in Gestalt besten Weines anklingen; bei der Sünderin betont er, wie wichtig das Verzeihen ist; in der Fußwaschung ermuntert er, es ihm gleichzutun und die Nächsten zu achten, besser noch, zu lieben. In der Liebe zeigt sich der Glaube. In der Liebe zeigt sich Gott selbst - uns und der Welt.

Niemand kommt zum Vater außer durch Jesus. Jesus ist der Weg. Wer glaubt und liebt und daran festhält, ist auf dem Weg zu Gott.

Im Leben und im Sterben. Und die Herrlichkeit wartet, der Goldgrund des Himmels.

Ich wünsche uns allen einen guten Weg mit dem Herrn und bleiben Sie behütet!

Ihr P. Guido