Kategorien &
Plattformen

Schreiben Sie uns in dieser Zeit und lesen Sie die bisherigen Beiträge

Schreiben Sie uns in dieser Zeit und lesen Sie die bisherigen Beiträge
Schreiben Sie uns in dieser Zeit und lesen Sie die bisherigen Beiträge
© Rudi Grabowski / Pixabay (Pfingstrosenblätter)

31. Mai 2020
 

Des Geistes Gaben
 

Komm, Du Geist der Weisheit!

Lehre mich,

die Herausforderungen dieser Zeit

mutig anzunehmen

und mit Deinem heilenden Blick zu bewerten.

Komm, Du Geist der Weisheit!

 

Komm, Du Geist der Einsicht!

Hilf mir,

über meine Schatten zu springen

und Barmherzigkeit zu üben

mit den Schwächen anderer und meiner eigenen.

Komm, Du Geist der Einsicht!

 

Komm, Du Geist des Rates!

Lass mich tief in meiner Seele wahrnehmen,

wann Du mich rufst und wohin Du mich führen willst.

Hilf mir,

gut zu unterscheiden zwischen Sehnsucht und Versuchung.

Komm, Du Geist des Rates!

 

Komm, Du Geist der Stärke!

Locke mich heraus aus meinen Verzagtheiten.

Richte mir das innere Rückgrat auf.

Straffe meine gebeugte und niedergedrückte Haltung.

Gieße Deine Liebe neu als Lebensöl in meine Getriebe.

Komm, Du Geist der Stärke!

 

Komm, Du Geist der Erkenntnis!

Schärfe meine Wahrnehmung und mein inneres Be-Greifen,

damit ich erfasse,

wann Du mich meinst, wenn Du rufst,

damit ich verstehe, wozu Du mich brauchst.

Komm, Du Geist der Erkenntnis!

 

Komm, Du Geist der Frömmigkeit!

Entzünde in mir das Feuer der Sehnsucht nach Deiner Nähe.

Lass mich un-erhörte und lebendig machende Worte hören.

Gib Klang meiner Sprache und meinen Liedern

und die Tiefe Deiner Melodie in mein Herz.

Komm, Du Geist der Frömmigkeit.

 

Komm, Du Geist der Gottesfurcht!

Hilf mir, mich auszustrecken

nach dem Menschen,

den Du in mir zugrunde gelegt hast.

Lass mich in Ehrfurcht die Spannung zwischen Erde und Himmel bejahen

und mich vertrauensvoll nach Deiner nie endenden Liebe ausspannen.

Komm, Du Geist der Gottesfurcht.

 

(Doris Nolden - 27. Mai 2020)

 

5. Mai 2018 
Karikatur in der Westerwälder Zeitung vom 5. Mai 2020

ABSTAND HALTEN

© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

1. Mai 2020 
Gedanken in Anderszeiten von Gemeindereferentin Doris Nolden

CORONA-LITANEI

Wenn die Zeit zeitlos wird…                            A: … Halte mich lebendig, Gott

Wenn alles Wichtige längst erledigt ist…

Wenn mein Geist hungrig nach Taten lechzt…

Wenn der innere Antrieb zu stocken beginnt…

Wenn ich mich nach dem „Warum das alles“ frage…

         

Wenn Gesichter nur noch aus Augen bestehen…        A: … Lass mich Deine Nähe spüren

Wenn Begegnung nur auf Distanz geschieht…

Wenn niemand mehr fragt, wie es mir geht…

Wenn das ängstliche aneinander Vorbeihuschen jedes Gespräch tötet…

Wenn nur noch meine eigenen Gedanken und Empfindungen die Weggefährten sind…

                             

Wenn Schwermut mein Herz umklammert…                        A: Streck Deine Hand nach mir aus

Wenn die Einsamkeit körperlich weh tut…

Wenn die Enge meines Hauses mir keine Beheimatung gibt…

Wenn das Lachen und Fröhlichsein verloren sind…

Wenn das Ticken der Uhr mich schier verrückt macht…

 

Wenn die Zahlen in den Nachrichten niederdrückend sind…       A: Führe mich hinaus ins Weite

Wenn Einschränkungen die Freiheit vergessen lassen…

Wenn ich alles lassen muss, worauf ich mich gefreut haben…

Wenn die Erinnerungen an „normale Zeiten“ schon verblassen…

Wenn die Hoffnung zu verstauben beginnt…

 

Wenn die Seuche nach der Seele greift…                             A: Sprich mir zu „Ich bin da“

Wenn mir Dein Wort und das lebendige Brot fehlen…

Wenn da manchmal noch in meinen Ohren die Orgel klingt

und der Gesang der Gemeinde…

Wenn ich der Anderszeit nur noch mein Ich gegenüberstellen kann…

Wenn die Vögel draußen singen,

ich aber immer stiller werde…


Doris Nolden, Gemeindereferentin

(28. April 2020)

 

© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

26. April 2012
Gedanken von Pfarrer Winfried Roth

WEISSER SONNTAG IN  DUNKLEN TAGEN

Die weißen Sonntage, die in diesen Sonntagen geplant waren, können nicht stattfinden.

Gerade für unsere Kommunionkinder eine schwere Zeit. Solange hatten sie und ihre Familien und Verwandten sich auf dieses Fest vorbereitet, sich darauf gefreut und dann frisst es einem ein Virus weg. So bleibt der weiße Sonntag für die Kinder ein weißes Blatt, unbeschrieben, da die Erfahrungen fehlen, die es füllen könnten.

Natürlich haben wir die Kinder in diesen Tagen angeschrieben und auch versichert, dass wir die Erstkommunion natürlich nachholen werden. So bleibt der Tag nicht eine Erfahrung hinter uns, sondern ein Fest vor uns.

Weiß, unbunt scheinen sie alle zu sein, die Tage in denen wir uns befinden. Dennoch hat das Leben auch in Corona-Zeiten seinen Rhythmus gefunden. Im Weiß stecken schließlich alle Farben. Gerade in diesen Tagen entdecken wir, da steckt die Vielfarbigkeit des menschlichen Lebens drin.

Die Einen müssen schuften, um Sicherheit und Grundversorgung zu gewährleisten, die Anderen wissen nicht, was sie mit der freien Zeit anfangen sollen. Die Einen auf Trab gehalten, die Anderen ausgebremst.

Wir müssen lernen uns neuen Fragen zu stellen: wie geht Nähe auf Distanz, wie gehe ich mit den neuen Verhältnissen um. Wie gestalte ich mein Leben um, so  dass ich den neuen Gegebenheiten gerecht werde.

Wir werden vielleicht wieder etwas demütiger, wenn wir entdecken, wir haben nicht alles im Griff, unter Kontrolle. Auch unsere so weit entwickelte Wissenschaft kommt immer noch an Grenzen.

Und wir entdecken, es ist so viel möglich. Viele entdecken ihre Kreativität als neue Lebensader. Auch Hilfsbereitschaft kann ansteckend sein. Da scheint sie in den Hintergrund zu treten, die oft zitierte Kälte in unserer Welt. Die so oft beklagte Ellenbogen-Gesellschaft krempelt die Ärmel hoch, um sich zu helfen. Wir können es doch. Wissen, worauf es ankommt, wenn die Zeit es verlangt.

Welche Fragen einen auch beschäftigen, welche Gedanken wir auch denken. Eines scheint klar. Es wird nicht einfach so weitergehen, wie es ging. Diese Zeit in der wir stecken, hat uns geprägt.

Es wäre nicht mehr lange so weitergegangen, wenn es noch lange so weitergegangen wäre.  Das fühlen wir schon lange. Und jetzt merken wir auf einmal, Corona hat die Welt verändert und uns in ihr. Wir haben die Chance sie neu zu (be-) schreiben. Ein weißes Blatt in dunklen Tagen mit allen Schattierungen, die dazu gehören. Und ich bin es gespannt, wie unsere Geschichte weitergeht, welche Erfahrungen wir mitnehmen und wie wir miteinander sprechen werden in den Tagen, die wir herbeisehnen. Wenn unsere Gespräche beginnen mit: „Weißt Du noch, damals, in der Zeit von Corona …."

Pfarrer Winfried Roth

© Rudi GrabowskiGute Qualität...HACHENBURGER, gezapft beim ökumenischen Pfarrfest 2017...
© Rudi GrabowskiGute Qualität...HACHENBURGER, gezapft beim ökumenischen Pfarrfest 2017...

 

18. April 2020
Gedanken von Günter Hummes aus Altstadt. 

VERRUTSCHTE QUALITÄT

Der bedeutende Historiker Leopold von Ranke (1795 – 1886) hat einmal gesagt:

 „ Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem eigenen selbst.“

Dies gilt auch für unsere heutige Zeit, bei der im Moment die Corona-Pandemie im Denken und Handeln der Menschen wie ein Pol im Vordergrund steht. Auch unsere Pfarrei wird davon bestimmt. Nach Leopold von Ranke hätte aber auch dieser jetzige zeitliche Abschnitt Unmittelbarkeit zu Gott. Die Existenz dieser Krisenzeit besäße -  für uns schwer verständlich  -  einen Wert. Denn es ist doch so, dass wir von Covit 19 bedroht sind, darunter leiden, Befürchtungen haben, schmerzlich die Opfer der Krankheit beklagen. Richtigerweise tun wir alles, um nicht zu erkranken, halten Abstand, tragen Masken, arbeiten im Home-Office, treffen und versammeln uns nicht. Es ist gut, dass wir den Rat der Mediziner und der in Pflegeberufen Tätigen befolgen. Diese Berufsgruppen genießen hohes Ansehen, genauso wie die in Geschäften, Läden, Servicebetrieben und an Scanner-Kassen. Es kann sein, dass Corona uns noch lange beschäftigt.

Aber es gibt auch einen anderen Pol der aktuellen Krise, nämlich den, der auf eine veränderte Einschätzung von Werten hinweist. Die Bereitschaft, anderen beizustehen, ist unter den Menschen gewachsen. Man geht für Ältere einkaufen, hält eher gemeinsame Regeln ein, praktiziert Nachbarschaftshilfe, macht Video-Anrufe, bietet digitale Online-Dienste an. Das erstreckt sich dann in viele private und zwischenmenschliche Bereiche, aber auch in den christlichen. Auch im kirchlichen Bereich steigt z. B. das Angebot, online vermehrt Kontakt zu halten. Genannt seien Portale des Bistums, der Pfarrei oder domradio.de, Radio Horeb und Stift Heiligenkreuz.

Es scheint, als werde soziales Verhalten wieder wertvoller angesehen. Damit kommen bei den Menschen Hoffnungen auf gestärkte mitmenschliche Verhaltensweisen auf, die aber zunächst nur ein Keim sind. Aber gerade weil sie nur ein Keim sind, bleibt vieles der heutigen Krise widersprüchlich. Zurzeit suchen wir alle nach der Balance, uns zwischen den zwei Polen der Krise einzubringen und zu justieren. Diese Balance haben wir noch längst nicht gefunden, dürfen aber auf diese verrutschte Qualität hoffen. Ein Erfolg ist schon, dass wir anfangen, wieder stärker auf unsere eigene Existenz zu blicken und mehr Ruhepunkte zu suchen. Eine Analyse des eigenen Lebens ist möglicher geworden. Denken wir an den früheren Kanzler Helmut Schmidt, der gesagt hat. „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Not ändert  -  oder nicht?

Es ist schmerzlich, dass augenblicklich keine Gottesdienste stattfinden und sie, wie vieles in allen Bereichen unseres Lebens, abgesagt sind. Das Gemeindeleben in der Pfarrei, die Messe und der Empfang der Kommunion, die Arbeit von Ausschüssen und Gremien werden vermisst. Besonders das Angebot für die jungen Menschen wie Erstkommunikanten und Firmlinge kommt zu kurz. In diesem Zusammenhang „beißen“ sich das Recht auf Religionsfreiheit und das auf eigene Unversehrtheit und die des Nächsten.

Günter Hummes

© Rudi GrabowskiBittpozession 2017 in Merkelbach

13. April 2020
Gedanken von Barbara Weber aus Merkelbach

Lieber Winnie, lieber Guido, liebe Doris.

Ich möchte mich bei Euch ganz herzlich für die tollen Texte, Predigten und Auslegungen bedanken. Es hat mir sehr gut getan von Euch zu hören lesen. Es gibt mir Mut und Zuversicht in diesen ungewöhnlichen Zeiten, dass wir das Virus besiegen. Ich fühle mich aufgehoben in der Gemeinschaft der Christen hier bei uns und weltweit und verbunden mit Euch. Gerade das finde ich ist jetzt sehr wichtig. Ein Segen, dass es Handy, PC, WhatsApp, usw. gibt. Es ist trotz allem auch eine Zeit zu lernen und sein Leben neu auszurichten. Ich genieße die terminfreie Zeit. Es ist so schön, alles in Ruhe machen zu können. Entrümpeln, Putzen, Kochen, Backen, Lesen, Fahrrad fahren, spazieren gehen. Auch danke ich Gott das wir in Deutschland und ganz besonders im Westerwald leben. Wir brauchen nur paar Meter zu gehen und schon sind wir in Gottes toller Natur (s. Foto von der Merkelbacher Bittprozession im Jahre 2017.).

Anbei ein Gedicht zur Corona-Krise, das ich im Netz fand und das auch die Chancen aufzeigt, die diese schwere Zeit bietet.
Ich wünsche Euch allen ein frohes gesegnetes Osterfest.

Barbara Weber aus Merkelbach

ES KÖNNTE SEIN 

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen … Es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen … Es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Die Menschen singen miteinander. Das berührt mich zutiefst!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt … Es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet … Es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet … Es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Vielleicht war es Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert … Es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,

  • der die Erde aufatmen lässt,
  • die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
  • unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
  • die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
  • der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert
  • und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren es selbst zu tun. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!!!

Text: Tanja Draxler

 

 

 

© Pater Guido / Rudi Grabowski

13. April 2020
Osterpredigt von Pater Guido

Ostern 2020 (Joh 20,1-18) 
Ja. Ostern ist dieses Jahr ANDERS.

Wir werden – wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu – hinter verschlossenen Türen sitzen.
Fragend. Ängstlich.
Wartend auf das, was kommen mag.
Hoffend, dass nach der Dunkelheit die Sonne wieder aufgeht.
Sehnsüchtig, endlich wieder Freiheit schmecken zu können.

Nein. Ostern wird dieses Jahr NICHT ABGESAGT.

Weil genau in dieser Situation Gott mit uns ist.
Weil er mit uns fragt, wartet, hofft.
Weil er sich danach sehnt, an unserer Seite zu sein.
Weil er mit uns von anderen Zeiten träumt.
Weil die Auferstehung sich nicht einsperren lässt.

(Pfr. C. Leinhäuser, Winnweiler, Diözese Speyer)

Ostern ist sowieso anders.

Wer kann denn an ein Leben nach dem Tod glauben, nur weil das Grab leer ist?

Nach dem Schrecken des Todes, nach der absoluten Leere in der Lebendigkeit ist das nur noch ein weiterer Schock. Man könnte eine Schurkerei, ein böses Spiel vermuten. „Sie haben meinen Herrn weggenommen“, sagt Maria von Magdala (vgl. Joh 20,13). Weggefegt durch den Schmerz des Todes sind die Worte Jesu von der Auferstehung: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, …“ (vgl. Joh 11,25).

Wie kann es dann gelingen, das Unglaubliche zu glauben?

Wir müssen uns an die Hand nehmen lassen, an die Hand derer, deren Herzens-Augen sahen, damit wir Sehende und Glaubende werden. So wie es die Kirche von Anfang an tun musste:

Wir müssen uns an die Hand der Frauen und Männer nehmen lassen, die vom Herrn geliebt werden und selbst lieben.

An die Hand der Maria von Magdala. In Liebe wendet sich der Auferstandene Maria aus Magdala zu mit der zärtlich anmutenden Nennung ihres Namens: Maria. Dieser innigste Moment zwischen Jesus und Maria lässt die Nebel vor den Augen dieser Frau schwinden und zu dem eindeutigen Bekenntnis kommen: Rabbuni, Meister.

An die Hand nehmen lassen dürfen wir uns von Simon Petrus und dem anderen Jünger, die in das Grab Jesu hineingehen, die zusammengelegten Leinenbinden sehen und das leere Grab und glauben.

An die Hand nehmen lassen dürfen wir uns von den Frauen, die in aller Frühe zum Grab eilen, um dem toten Herrn den Liebesdienst der Einbalsamierung zu schenken, die vor dem leeren Grab wie erstarrt stehen bleiben und sich von einem Engel sagen lassen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Auch die beiden Jünger, die nach Emmaus gehen, nehmen uns mit auf ihren Weg und lassen uns erkennen, wie sehr die Gegenwart des Auferstandenen ihr Herz zum Brennen bringt.

Mit dem Apostel Thomas dürfen auch wir unsere Hände in die Seite Jesu legen und zum Bekenntnis finden: Mein Herr und mein Gott. Jeder Zweifel wird in der unmittelbaren Berührung mit Christus zunichte gemacht. Am Ende ist er ganz sicher. Der Herr lebt!

Das brennende Herz macht es aus!

Liebe ruft Liebe hervor. Liebe öffnet die Augen für eine größere Wirklichkeit, die sonst nur schwerlich zu begreifen ist. Die Auferstehung Jesu zählt dazu.

Und weil Gott die Liebe ist, die größte Liebe, hat er in der Liebe Jesu den Tod überwunden und die Mächte des Todes besiegt, hat er seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern alles an und in ihm zur Fülle des Lebens in seine Ewigkeit geführt. Und er wird uns, die er liebt, nicht im Tode lassen. Die Liebe Gottes überwindet den Tod. Antworten wir auf diese Liebe Gottes, indem wir zu Liebenden werden! Dann können wir sehen.

Ja, Paulus hat Recht, wenn er sagt:

„Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“ (1Kor 13,12-13).

Ja, Ostern ist anders. Jesus Christus ist auferstanden vom Tod! Frohe Ostern!

 

10. April 2020
Die Gedanken von Gemeindereferentin Doris Nolden zum Karfreitag 2020

„Denn was jetzt noch verborgen ist, muss ans Licht kommen“ (Mt 10,26)   

Als Kind und Jugendliche hatte ich – wenn ich an Karfreitag dachte – klare Bilder im Kopf: den Kreuzweg gehen oder beten… zum Mittagessen eingelegte Heringe und Pellkartoffeln… 15.00 Uhr Karfreitagsliturgie in meiner Heimatgemeinde St. Stephan in Köln… und dazu die Stille in der großen Stadt und eine gedrückte, fast etwas unheimliche Atmosphäre.

Diese Erinnerungen und Bilder haben sich mir tief eingeprägt: der Karfreitag als der so ganz andere Tag in der Karwoche – verhangen und zugedeckt das sonst so pralle Leben in seiner Vielfarbigkeit. Diese Stimmung greift die Karfreitagsliturgie wieder auf: der stille Einzug… das Niederwerfen vor dem Altar… das Hören der Leidensgeschichte… die Kreuzverehrung… die großen Fürbitten für die Welt.

In den vielen Jahren, in denen ich als Seelsorgerin mit wechselnden Gemeinden die Karfreitags-liturgie begangen habe, ist mir vor allem die Kreuzverehrung wichtig geworden – nicht die Ver-ehrung des toten Holzes, sondern die Ehrfurcht vor dem, was da am Holz geschieht.

Da tragen wir das verhüllte Kreuz durch die Kirche und bleiben immer wieder stehen, um den Ruf „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ zu singen und dabei den Leichnam Jesu Stück für Stück zu enthüllen… zu befreien von dem violetten Tuch. Sichtbar wird Jesus, der Gekreuzigte… Gottes Sohn. Und wir spüren für einen Moment die Brutalität des Geschehens… die Endgültigkeit… den Tod… Gottes Sterben an einem von Menschen aufgerichteten Kreuz.

Und wie erleben wir den Karfreitag 2020?

Fast möchte man meinen, der Karfreitag habe bereits Anfang März begonnen… an dem Tag, als das Corona-Virus sein tödliches Ausbreiten begann und die Menschheit in die Knie zwang.

Alles ist anders…

Alles ist verhangen… zugedeckt…

Auf distanzierter Sparflamme…

Und doch stehen in unseren Kirchen die verhüllten Kreuze, die uns erinnern wollen, dass da mehr ist als die täglichen Schreckensmeldungen und Verbreitungsstatistiken. An diesen verhüllten Kreu-zen stirbt ein Mensch… Jesus aus Nazareth, Gottes Sohn aus Liebe. Und das ist keine alte Geschichte von vor über 2000 Jahren, die wir zur Erinnerung jedes Jahr auffrischen. Nein, diese verhüllten Kreuze stehen hier und heute ganz aktuell bei uns und erinnern uns daran, dass Christus für jeden von uns stirbt… dass Er uns Menschen von heute immer noch in Liebe an sich zieht und uns von unseren Lebenskreuzen – wie immer sie auch aussehen – befreit und all das, was uns niederdrückt, in Seinen Tod und dann auch in Seine Auferstehung mitnimmt. Keine alte Geschichte, sondern eine unzerstörbare Zusage der Liebe Gottes – bis heute und immer wieder neu.

Vielleicht ist es eine gute geistliche Übung, sich an diesem so anderen Karfreitag einmal der Verhüllung und Enthüllung des Kreuzes zu stellen und sich selber im Gegenüber mit Christus zu sehen.

  • Was verhülle ich eigentlich in mir?
  • Was decke ich gut zu, damit andere es bloß nicht sehen?
  • Was packe ich möglichst fest ein und schiebe es in selten betretene Seelenräume?
  • Was kommt zum Vorschein, wenn ich den Vorhang lüfte?

Ich bin fest davon überzeugt, dass jede und jeder von uns so ihre/ seine Verhüllungen hat.

Der Karfreitag… das Mitgehen des letzten Weges Jesu … die Kreuzenthüllung – kann eine mutige Herausforderung sein, sich den persönlichen Enthüllungen zu stellen… sie behutsam aufzudecken… wahrzunehmen, was da zum Vorschein kommt und alles Christus hinzuhalten, damit ER sie durch Sein Kreuz hindurch ins Leben führen kann.

Alles, was wir verdrängen…

Alles, was uns zur Zeit quält…

Alle Angst und Verunsicherung in diesen Tagen…

Alle Traurigkeit…

Alle Abschiede und Verluste…

Alle Fragen und Zweifel…

Alle Einsamkeit…

Alle Scham und alle Schuld…

… Alles dürfen wir enthüllen vor DEM, DER mit ausgebreiteten Armen am Kreuz hängt und uns noch im Sterben mit Seiner Liebe umfängt. ER geht den Weg für uns voran durch den Tod zum Leben.

So wie die Corona-Epidemie uns zwingt, uns auf das Wesentliche zu beschränken – und dabei ungeahnte Kreativität, Entschleunigung und Mitmenschlichkeit hervorbringt – so vertraue ich zu-tiefst darauf, dass aus den ehrlichen Enthüllungen unseres Lebens auch ungeahntes neues Leben erwachen wird.

In der Krise des Karfreitags liegt eine der größten Chancen für uns Menschen, wenn nicht sogar das größte Geschenk, das Gott Seinen Menschenkindern geben kann. Und auch in der Corona- Krise liegt eine Chance für die Menschheit dieser Welt. Der tschechische Theologe Tomas Halik beschreibt es so: „Viele von uns haben noch zu Beginn dieser ungewöhnlichen Fastenzeit gedacht, dass diese Epidemie zwar einen kurzfristigen Blackout verursache, eine Störung der gewöhnlichen Abläufe der Gesellschaft, dass wir aber alles irgendwie überstehen werden und dann bald wieder zum alten Modus zurückkehren könnten. Aber so wird es nicht kommen. Und es wäre schlecht, wenn wir uns darum bemühen würden. Nach dieser globalen Erfahrung wird die Welt nicht mehr dieselbe sein wie vorher – und offensichtlich soll sie auch nicht mehr dieselbe sein. … Es ist nun an der Zeit, auch die tieferen Zusammenhänge dieser Erschütterung der Sicherheiten unserer Welt in den Blick zu nehmen. …

Diese Fastenzeit der leeren und schweigenden Kirchen können wir entweder nur als kurzes Provisorium annehmen, das wir dann bald vergessen werden. Wir können sie jedoch auch als kairos annehmen- als eine Zeit der Gelegenheit, in die Tiefen hinabzusteigen und eine neue Identität des Christentums in einer Welt zu suchen, die sich vor unseren Augen radikal verändert.“

Karfreitag 2020 – Enthüllung der Kreuze – Aufdecken der Kreuze der Menschheit – Darunter den entdecken, der das Kreuz auf sich nimmt, um uns das Leben neu zu schenken.

 

10. April 2020
Die Predigt von Pater Guido zum Karfreitag 2020

Karfreitag 2020 (Joh 18,1 – 19,42)

Klar, wir sehen das Geschehen von Ostern her. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“ So wird das Kreuz enthüllt und verehrt. Von Ostern her. Ist es also nur ein liturgisches Schauspiel? Sind wir nur Zuschauer?

Ich sehe das Bedürfnis, das zentrale Geschehen der Passion irgendwie darzustellen, es im besten Fall als Glaubenszeugnis sichtbar und greifbar zu machen. Die Leidensgeschichte, die Gebete, die Kreuzverehrung… All das ist vergleichbar mit dem, was auch mancherorts aus der Not von Seuchen und größter Bedrängnis als Nachspielen der Passion des Herrn entstanden ist. Das berührt eine Ebene in uns, die einem nicht nur Zuschauer sein lässt, sondern hineinholen möchte in das Geschehen. Der Blick richtet sich auf Jesus, auf den Leidensweg des Gottes- und Menschensohnes und es wird durch die Liturgie und die Passionsspiele versucht, eine Brücke, einen Zugang zu bauen vom konkreten Leiden von uns Menschen zum Leiden des Einen damals.

Klar, wir sehen all das von Ostern her. Wir haben die Auferstehung im Blick…

Das ist richtig und dennoch problematisch. Die Problematik besteht darin, allzu schnell die Tatsache des Leidens und des Sterbens, die brutale Macht, mit der dieser Mensch zu Tode gefoltert wurde, hinzunehmen und hinter sich zu lassen, so wie man ein Schauspiel oder ein Theaterstück hinter sich lässt. Und: Der Abend des Karfreitag ist nicht Ostern, sondern ein Leichnam, Grablege, Trauer, Abschied und eine schreckliche Leere. Es bietet sich an, für diesen Tag eine zweifache Perspektive in unseren Betrachtungen einzunehmen: Die eine schaut auf Jesus, die andere auf uns selbst.

Der Blick auf Jesus, auf seinen Weg bis hin nach Golgota, auf seinen Weg durch das Land und zu den Menschen ist nach dem Zeugnis der Evangelien ein einziger Kampf und Widerstand gegen die Mächte des Todes. Und, so schreibt es Gerhard Lohfink in seinem sehr lesenswerten Buch „Am Ende das Nichts? – Über Auferstehung und Ewiges Leben“ (Herder, 2018, 5.Aufl., S.129), „Jesu Kampf gegen die Todesmächte gipfelt nicht darin, dass er sich dem Tod entziehen kann, sondern dass er menschlicher Gewalt bis zur völligen Hilflosigkeit preisgegeben ist, aber noch in seinem schrecklichen Tod rückhaltlos auf Gott vertraut.“ Jesus erleidet das absolute Nichts und die Sinnentlehrung allen menschlichen Strebens und Seins im Tod und ebenso den Sturz in den Abgrund totaler Beziehungslosigkeit und wirft genau darin sich selbst ganz im völligen Vertrauen in Gottes Hände. Er betet in die Leere der Agonie hinein die Worte des Psalms 22, der mit den Worten beginnt „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, …?“ und das Fundament des Denkens und Tuns Jesu enthält: „Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott“ (Ps 22,11). Untrennbar mit Gott, mit seinem Vater verbunden, erlebt er doch im Tod die absolute Bindungslosigkeit und füllt mit seinem Akt des Vertrauens und der Bindung an Gott das Nichts neu. So kann die Nacht des Todes, das Chaos des Nichts (vgl. Gen 1) zur Morgendämmerung der Neuschöpfung werden. Der Tod verliert seine Macht, weil er und die mit ihm verknüpfte Leere angenommen und im „sich fallen lassen“ in Gottes Hände von Gott her überwunden wird.

Unvermischt und ungetrennt ist menschliches und göttliches Sein in Jesus. So formuliert es der Glaube der Kirche. Was uns von ihm unterscheidet, verbindet uns gleichzeitig mit ihm. Seine Todesüberwindung, die aus der Schöpfermacht des Vaters geschenkt wird, ist auch unser Weg: Indem wir mit ihm im Tod gleichwerden, werden wir es auch in seiner Auferweckung und Auferstehung vom Tod. Mit Jesus werden auch wir hineingeführt in das Ausgeliefertsein, in die Beziehungslosigkeit und das Elend des Sterbens. Zeugnis dafür sind, so haben es die Auferstehungszeugen deutlich erfahren, die sichtbaren Wunden und die Leibhaftigkeit des Auferstandenen.

„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“

Auch wenn wir von Ostern her schauen, dann können wir das nur dann in rechter Weise tun, wenn wir gleichzeitig den Blick auch auf unsere Welt schärfen. Wir können der Not Jesu, seiner Ohnmacht, Hilflosigkeit, Scham, den Verlust seiner Würde und seiner Todesangst nur dann gedenken, wenn wir sie gleichzeitig in allen entdecken, die traumatische Erfahrungen gemacht haben und machen. Und dies in vielfältiger Hinsicht. Letztlich geht es um die Todesangst und das Leiden aller Menschen, denn für alle ist der Herr den Weg des Kampfes gegen die Mächte des Todes gegangen. In der Konsequenz ging er diesen Weg in der absoluten Annahme der Menschlichkeit. Und so können und müssen wir ihn in allen Leidenden, Kranken, Sterbenden, in allen irgendwie durch Macht oder Sexualität oder sonst Missbrauchten, in allen ungerecht Gesehenen und Behandelten, in allen Schwachen und Ohnmächtigen, in allen, die hineingerissen werden in die Mächte des Todes, sehen. Nicht als Schauspiel, sondern als Realität dieser Welt. Wir sind nicht Zuschauer. Immer sind wir Beteiligte, Handelnde, Betroffene.

Am Ende bleibt nur uns eines gleich Jesus zu tun: „In deine Hände werfe ich mich, o Gott! In sie lege ich mein Leben“ (vgl. Ps 31,6 u. Lk 23,46). Amen

10. April 2020
Die Gedanken von Kaplan Daniel Engels zum Karfreitag 2020

 „Du hattest mich vor Augen dort am Kreuz“

In den Wochen der Fastenzeit höre ich zur Unterstützung meines persönlichen Gebetes die aktuelle Lobpreis-CD „1000 Dank“ des Augsburger Gebetshaus. An diesem Ort wird an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr gebetet, gesungen, Gott gelobt und Bitten vor ihn gebracht. Die Lieder der CD sind im Rahmen der Gebetsstunden entstanden.

Gerade in der Vorbereitung auf das Osterfest hat mich dabei das Lied „Dort am Kreuz“ tief berührt und mir einen neuen und persönlichen Zugang zum Karfreitagsgeschehen ermöglicht.

Der Refrain lautet:

„Und dort am Kreuz hast du an mich gedacht,

als du sprachst: es ist vollbracht,

hattest du mich vor Augen.

Dort am Kreuz, da dachtest du an mich.

Was für ein: Ich liebe dich!

Du hattest mich vor Augen

Dort am Kreuz"

Im gesamten Lied wird das besungen, was wir an Karfreitag liturgisch „feiern“.

Der Prophet Jesaja spricht in der heutigen ersten Lesung über den Gottesknecht, den Gesalbten des Herrn, der von dem Menschen verworfen und misshandelt, am Ende sogar getötet wird. Doch durch seinen Tod rettet er die Menschen, für die er leidet und stirbt. Er gibt ihnen die Möglichkeit, zu Gott und seiner Liebe zurückzukehren, von der sie sich entfernt haben.

Diese Verheißung des Alten Testamentes hat sich in Jesus Christus, dem Sohn Gottes erfüllt, die lange Lesung der Passion führt uns sein Leiden und seinen Tod vor Augen.

Das Lied hilft mir persönlich, nicht zu verallgemeinern, dass Jesus „für die Menschen“ gestorben ist, sondern diese wirklich auf mich zu beziehen. Denn das ist die Botschaft des heutigen Tages für jeden einzelnen Menschen: Jesus liebt mich so sehr, dass er damals das Leiden und den Tod auf sich genommen hat, um mich von dem zu befreien, was mich von ihm und seiner Liebe trennt. Durch seinen Tod und seine Auferstehung schenkt er mir den Zugang zum ewigen Leben.

Ich selbst werde daher am heutigen Karfreitag in meiner Wohnung vor einem Kreuz das oben genannte Lied laut aufdrehen und mitsingen, um Jesus zu danken, dass er aus Liebe zu mir für mich sein Leiden auf sich genommen hat.

Und ich lade Sie ein, sich das Lied anzuhören und, wenn sie anspricht, es mir gleich zu tun. Sie finden das Lied unter folgender Adresse:

https://www.youtube.com/watch?v=hA9q11ltTJg

Loben wir unseren Gott für seine Liebe zu jeder und jedem Einzelnen von uns, danken wir ihm für seine Nähe und bitten wir ihn in diesen Tagen von Corona besonders für die Menschen, die die Erfahrung seiner Nähe und seiner Liebe besonders brauchen.

 

© Rudi Grabowski / Pixabay

9. April 2020
Die Predigt von Pater Guido zum Gründonnerstag 2020

Gründonnerstag 2020 (Joh 13,1-15)

Im Obergemach, in der zweiten Etage, die Treppe hoch…

Wo bin ich am Tisch? Gibt es eine Sitzordnung? Und wie sollen wir uns jetzt verhalten, wo wir hineingeraten sind in diesen Abendmahlssaal, in diese seltsame Atmosphäre, die sich anfühlt wie die Ruhe vor dem Sturm? Die Stunde schlägt. Und wir treten hinein in die Stunde, in der Jesus Sorge trägt dafür, dass er bei uns bleibt und wir von ihm ernährt werden. Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde der Hingabe und des Verrats. Diese Stunde hat Platz für beides zugleich. Durch diese Stunde geht ein Riss. Werde ich Ihn an mich heranlassen und ihm die Drecksarbeit an meinen Füßen, an meinem Innenleben, überlassen? Wird er mir das geteilte Brot reichen oder mir – wie Judas – den in eine Schüssel eingetauchten Bissen (Joh 13,26f) Brot in den Mund schieben? Es ist wie ein Passionsspiel: Die Rollen längst vergeben und eingeübt. Und wer ich bin, welche Rolle ich darin übernehme – das steht noch dahin … Wo ist mein Platz?

Fußwaschung? Viele haben es in den Gemeinden schon lange abgeschafft. Und auch dieses Jahr wird es sie nicht geben, wegen des Coronavirus. Schade eigentlich: Etwas Wesentliches fehlt, wenn sich Jesus nicht auf die Knie niederlässt, sich vor uns beugt, um sein Zeichen zu geben, so wie es Papst Franziskus bei Drogensüchtigen und Häftlingen in den letzten Jahren getan hat. Nun, wir werden nur davon hören mit den uralten Worten des Johannes aus dem Abendmahlssaal. Was bleibt? Ein Bild von damals, so wie viele Künstler es malten und was sonst? Etwas in der Einbildung der Erinnerung? Abendmahl, etwas, das für viele sowieso nur noch Theorie ist, Kopfkino?

Einer von euch wird mich verraten.“ Dieses Wort steht dunkel im Raum. Jesus hat es gesagt, sagt es auch heute: Einer von euch, die ich wasche und speise. Bin ich’s? Niemand unter den Aposteln hält es für ausgeschlossen, selbst zum Verräter zu werden und damit das Beste in sich zu verraten. Da bleibt nicht nur den Aposteln auf Gemälden der Mund offen. Ich kann meine Hände nicht in Unschuld baden und sagen: Ich trage dafür keine Verantwortung, denn ich bin auf der sicheren Seite. Alle apostolischen Kirchenmänner im Abendmahlssaal stehen im Zwielicht, alle ohne Ausnahme. Alle sind erfüllt von der Angst, möglicherweise schuldig zu werden. Alle gehören zum Freundeskreis Jesu, auch Judas. Und ich, wir?

Womöglich spielt sich bereits am Abendmahlstisch das von je her so beliebte Erwachsenen­spiel ab: von sich ablenken, die Schuld auf andere schieben, sich selbst aus dem Spiel lassen. Eine seltsame Runde – eine äußerst brüchige Jüngerschar. Alle wirken wie neben der Spur, sind total überfordert, verunsichert, verängstigt. Das Brot bleibt ihnen im Hals stecken. Niemand von diesen Jüngern wird „angesteckt“ von der Liebesgabe, die ihnen Jesus reicht und ihren Füßen antut. Alle werden verduften, einnicken, einknicken, verleugnen, verraten, vergessen; alle werden die eigene nackte Haut retten und sich vereinzeln. Der Verrat kommt nicht von außen, sondern von innen. Trotz des Sklavendienstes des Herrn und der Brotbre­chung – schnell wird eine durch Jesu Ruf in die Nachfolge eigentlich geeinte Männerschar zerbrechen. Zerbrechlich ist die Haltung des Menschen.

Nochmal frage ich: Wer bin ich in dieser Nacht? Ich habe die Hoffnung, dass Jesus am Kreuz auch im Blick auf Judas sagt: „Vater, vergib ihnen und ihm, denn sie und er wissen nicht, was sie tun.“ Die Möglichkeit zum Verrat und zum feigen Abtauchen steckt nicht nur in Judas und den elf anderen. Und das Letzte Abendmahl, die erste Eucharistie, ist eben nicht das Mahl trauter Gemeinschaft; es treibt die Jünger eher auseinander.

Das heißt es: Auf die Kirche (das heißt: auf mich!) ist kein Verlass. Jesus hat es wohl geahnt in dieser Nacht. Vielleicht hat er sich gefragt: Wen habe ich mir da quasi aus dem See Gennesaret an Land gezogen? Die Apostel jedenfalls sind keine Halbgötter, sondern sündige, schwache, feige, zu allem fähige Männer, in denen Gut und Böse für sie untrennbar verborgen und vermischt ist.

Schöne Bescherung! Das ist heute! Das Mahl der Sünder, die nicht recht begreifen, was ihnen geschieht. Doch allen teilt Er sich aus. Allen wäscht er die Füße. Wir feiern die Heilige Nacht der totalen Überraschung. Jesus sucht Berührung zu den niedrigsten Körperteilen des Menschen. Allen gibt er Brot. Alle haben in dieser Nacht diese österliche Wegzehrung nötig und den Dienst der Liebe, damit sie auf dem Nachfolgeweg bleiben. Der Nachfolgeweg, das ist auch unser Weg von damals bis heute und ins Morgen. Es ist und bleibt das Mahl der Sünder, der Verlorenen, derer, die nicht recht verstehen, was da abgeht.

Das Letzte Abendmahl war keine Tafelrunde von Helden. Hier empfangen schwache Menschen die seltsamen Zeichen von gewaschenen Füßen und geteiltem Brot. Und niemand von ihnen hat eine Chance, dem Geber alles Guten den Weg auszureden, den er allein gehen muss: Einer für alle! Erst in der Passionsgeschichte zeigt sich, wer wir sind: Lieblingsjünger oder Verräter. Auch in den Passionsgeschichten unseres eigenen Lebens wird sich genau das erst zeigen, ob wir bei ihm bleiben oder ein Geschäft mit ihm machen wollten, wollen...

Heute steht uns das Bild vor Augen, das kein Bild ist, sondern wirkmächtige Erinnerung und Anstoß, wie es bei Johannes heißt, und „das ist heute“: Die Nacht der knieenden Liebe und die Nacht, „in der er verraten wurde“, in der die Kirche ihren größten Schwächeanfall erlitt, aber auch die größte Menschlichkeit Jesu, des Menschen- und Gottessohnes. Er bleibt sich treu und bittet: Haltet still, lasst es euch gefallen! Es muss so sein! ER vor den dreckigen Füßen zerbrechlicher Menschen – was für ein unglaublicher Augenblick. In Jesus beugt sich Gott nieder vor seinem Geschöpf, weil er es unendlich liebt und teilt sich aus als Brot und Wein, Fleisch und Blut, weil er die Liebe ist. Es ist der Abend, an dem die Grenzen fallen, der Augenblick der Hoffnung für Petrus und Judas, auch für dich und für mich.

Nehmen wir Platz am Gabentisch der Liebe Gottes. Ja auch ich habe einen Platz.

9. April 2020
Gemeindereferentin Doris Nolden fand für uns dieses Gedicht zum Gründonnerstag 2020

Die Füße

Sie schmerzen, sie schwitzen.
Tausendmal gewaschen,
leiden sie immer noch
unter ihrem Geruch.
Sie weinen vor lauter Erde.
Sie gehen oft Wege,
die sie nicht mögen.
Sie träumen vom Himmel
sie möchten ihn sehen.
Aber sie haben keine Augen,
höchstens Hühneraugen…
Es sind immer die Schuhe,
die glänzen,
sie aber leben im Dunkeln.
Sie sind unten,
ganz unten.
Ihr Schicksal ist
Laufen und Tragen.

Bis eines Tages Gott kommt
und sich bückt
und sie den Menschen wäscht.

Der Himmel liegt unten,
ganz unten.

Um ihn zu erreichen,
muss ich tun, was Du getan hast:
mich bücken
und einem anderen die Füße waschen!
Wasser und Seife dazu brauche ich nicht,
aber Demut, Erbarmen und Liebe.

Thaddäus J. Jakubowski
 

 

© Rudi Grabowski / Pixabay

6. April 2020
Pfarrer Winfried Roth 

JETZT IST WIRKLICH KARWOCHE

Mit diesem Satz hat Susanne Havelkamp den Leitartikel in unserer Kirchenzeitung „Der Sonntag“überschrieben. Ihre Gedanken haben mich sehr berührt. Gerne möchte ich sie aufgreifen, zitieren, erweitern, weitergeben.Die Fastenzeit vor dem österlichen Hochfest geht auf ihren Höhepunkt zu. Die Karwoche: „Kar“ kommt aus dem althochdeutschen „Kara“ und bedeutet Trauer, Leid, Klage, Schmerz. Am Beginn steht der Einzug Jesu in Jerusalem. Erwartet als der Heiland, der Leben neu definierte und erwartet wurde als der große Friedenfürst. Wenngleich auch erwartet von Anderen, die die Faust in der Tasche ballen und sie bald hervor holen um sie sprechen zu lassen.
Corona hat Einzug gehalten. Ohne dass jemand danach gerufen hat. Keiner hat dem Virus erlaubt zu kommen, es gar herbeigesehnt. Doch es ist da. Fasten wird intensiv, wie selten zuvor. Wer hätte schon einmal Gemeinschaft gefastet. Freunde gefastet. Besuchsfasten erlebt. Viele, besonders Ältere nehmen ihre Einsamkeit war - zurückgeworfen auf sich selbst. Viele kämpfen um ihr Leben, oder sterben sogar. Wann, wenn nicht jetzt, kommt manchen das Wort Jesus am Kreuz in den Sinn „mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Karwoche: Leid und Trauerwoche.

„Wann, wenn nicht jetzt, können wir spüren, wie wichtig das gemeinsame Mahl ist, dass Jesus für alle Zeiten gestiftet hat?“  (Havelkamp)
Das was man hat, wird einem manches Mal erst bewusst, wenn man es nicht mehr hat. Das Johannesevangelium setzt an die Stelle des Mahls die Fußwaschung.

„Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit Jesu Zeichen … mit Leben zu füllen und einander zu dienen. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen,  aber auch in der nachbarschaftlichen Hilfe, in Telefonaten, in lieben Briefen, in emotionaler Nähe auch bei körperlicher Distanz" (Havelkamp).
Jetzt können wir uns in die Einsamkeit der Ölbernacht hineinversetzen, in seine Bitte „Wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ . Jetzt wo viele Menschen, die diese Zeit aufwühlt,  nicht mehr verstehen, wie man da schlafen kann.
„Wann, wenn nicht jetzt können wir miterleben, dass ein Kuss Verrat bedeutet.“ (Havelkamp) 
Der Kuss, dieses innige Zeichen von Verbundenheit, müssen Liebende einander verweigern. Das, was sonst von Liebe zeugt, wird zu einer Bedrohung. Immer mehr Menschen begegnen in Geschäften oder unterwegs, die einen Mundschutz tragen.

Karwoche in der Corona Krise. Corona bedeutet Kranz, Krone. Da sind wir schnell bei der Dornenkrone, die man Jesus auflegt. Die Dornenkrone, die über dieser Zeit liegt und Vielen aufgedrückt wird.
„Und wann, wenn nicht jetzt, können Menschen das leidende Antlitz Jesu verstehen, seine Verzweiflung.“  (Havelkamp)
Auf einmal sehen wir in seinem Leidensweg den Weg von so Vielen, die dieser Tage ihr Kreuz tragen müssen, oder auf denen die Angst wie ein Kreuz lastet, dass es noch kommen könnte. Und sich umso mehr sehnen nach einem Simon von Cyrene, der hilft, ein bisschen mitzutragen. Je mehr wir uns mit diesen bedrückenden Ereignissen aus der Passionsgeschichte, die diese Woche prägen auseinandersetzten, je mehr wie spüren, wie uns diese Ereignisse selber bestimmen, umso mehr brauchen wir die Feier von Ostern. Die Hoffnung, die vom Leben singt. Leben, dem wir in diesen Tagen neue Inhalte geben müssen, denn so schließt der Artikel:

„Nein gemeinsam Gottesdienst feiern, können wir in der Karwoche 2020 nicht. Aber dafür kann unser Leben ein Gottesdienst sein.“ (Havelkamp)

 Pfarrer Winfried Roth

 

 

© Rudi Grabowski / Pixabay
© Rudi Grabowski / Pixabay

5. April 2020
Pfarrer Winfried Roth schreibt zum Palmsonntag 

DIE ZWEIGLEIN DER GOTTSELIGKEIT STECKT AUF MIT ANDACHT LUST UND FREUD

So singen wir es gerne in der Adventszeit, wobei das Aufstecken der Palmzweige ein sehr viel älteres Brauchtum ist.

Der Vers stammt aus dem bekannten Lied: Macht hoch die Tür (4. Strophe) und erinnert die Gläubigen daran, die Türen des Herzens zu öffnen, damit ER, auf dessen Kommen wir warten, eintreten kann. Macht hoch die Tür in einer Zeit in der wir aufgefordert sind uns zum Wohle aller einzuschließen, dicht zu machen und doch offen zu bleiben, die Zeit sinnvoll für uns und füreinander  zu gestalten, auch offen zu bleiben auf ihn hin.

Vielleicht kommen wir seiner Bedeutung noch etwas näher, wenn wir bedenken, dass dieses Lied im 30 jährigen Krieg verfasst wurde. Im Angesicht von Leid und Tod, in der Auseinandersetzung mit tödlichen Epidemien – vor Allem der Pest – im täglichen Kampf ums Überleben. Und immer stand die Frage im Raum, wie es weitergehen wird. Die Frage kennen wir. Auf einmal rückt sie uns auf den Leib. Sicher ist die Bedrohung nicht vergleichbar mit der in der Pest. Doch wir spüren alle, wie sehr wir der Bedrohung von außen ausgeliefert sind.

Wenn wir nun an Palmsonntag die Zweige segnen und die Gläubigen sie mit nach Hause nehmen und hinter ihr Kruzifix stecken, mögen sie uns erinnern an das, was die Menschen in diesen bedrohten Zeiten machten: nicht aufzustecken, aufzugeben, sondern zu überlegen, wie wir wieder auf einen grünen Zweig kommen. Annehmen müssen wir die Situation, in die Hand nehmen wie den Zweig und schauen, wie wir das Kreuz, das über dieser Zeit liegt gestalten können. Im Schaffen von Gemeinschaft, wie es die Zeit zulässt über die Medien, Briefe, Anrufe…

Nein, es ist lange nicht alles im grünen Bereich. Menschen sind verunsichert, wir brauchen Hoffnung. Eine solche, wie sie in einem kleinen Zweig steckt. Abgebrochen wurde er, seiner Wurzel beraubt und bleibt dennoch grün, voller Leben. Abgebrochen wurde vieles in den letzten Tagen, an Begegnungen, die uns so selbstverständlich erschienen. Der Wurzel beraubt, worauf wir so oft gebaut haben, aus dem heraus wir gelebt haben. Deswegen haben Christen schon immer  die Gewissheit gehabt, dass auf jeden Karfreitag der Ostermorgen folgt. Der kleine Zweig ein besonderes Symbol, das Leid und Tod nicht das letzte Wort haben.

Wenn wir die grünen Zweige hinter die Kreuze stecken, erinnern sie uns an den Einzug Jesu in Jerusalem, der mit Zweigen (damals Palmen) begrüßt wurde. Menschen wollten ihn in ihrer Mitte haben. So dürfen wir uns auch heute daran erinnern, dass er bei uns ist. Auch in diesen schweren Zeiten bei uns Einzug gehalten hat und geben unserem Glauben Ausdruck, wir haben ihn in unserer Mitte.

Manchesmal wird in die Zweige noch etwas Zusätzliches eingebunden, Weidenkätzchen o.ä. So dürfen wir uns selbst einbinden lassen in die Hoffnung derer, die Jesus erwartet haben, die Hoffnung derer, die in vielen Krisenzeiten in der Weltgeschichte auf ihn vertraut haben, in die Hoffnung von uns allen, dass er uns nicht alleine lässt und in seinem Geist in Vielen gegenwärtig ist, diese Zeit zu bestehen.

 Herzlich lade ich Sie ein am Sonntag am Sonntag einen Zweig aus der Kirche mit nach Hause zu nehmen. Zweiglein der Gottseligkeit.

Dort finden Sie auch noch Textblätter mit Gebeten und Gedanken für diese Tage.

Ihr Pfarrer Winfried Roth

© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

31. März 2020
Pfarrer Winfried Roth 

DIE HOFFNUNG GEHÖRT AN DIE GROSSE GLOCKE

Es ist keine Frage, liebe Gemeinde-Mitglieder. Die Corona Krise bestimmt massiv unser Leben. Wir bekommen zu spüren, wie sonst kaum einmal, wir haben unser Leben nicht bis  ins Letzte im Griff.  Uns werden Grenzen gesetzt, die weltweit Konsequenzen haben. Viele belastet diese Situation. Gerade ältere Menschen, denke ich, sind davon besonders betroffen. Vieles, was uns selbstverständlich war, wird uns in diesen Tagen genommen. Es berührt mich sehr, wenn Menschen mir auch erzählen, wie sehr ihnen, neben vielen lieben Gewohnheiten und Begegnungen, auch unsere Gottesdienste fehlen.

Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir bei allen Befürchtungen und Ängsten, die uns begleiten, unsere Hoffnung nicht verlieren.

Gerade in diesen Tagen stellen Viele die Frage nach Gott.  Die für uns Menschen unbeantwortbare Frage, warum er dies zulässt. Nein, wir wissen es nicht. Das Eine aber dürfen wir glauben, gerade angesichts der Karwoche, die vor uns liegt und uns die Passion von Jesus Christus neu in Erinnerung ruft. Gott lässt die Menschen nicht allein. Auch und  gerade in der Not ist er bei uns. Entzieht uns nie seine Liebe.

Deswegen werden wir uns in allen Kirchorten an dem bistumsweiten Glockenläuten beteiligen, nachdem nun technische  Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt wurden, bzw. Organisatorisches geklärt wurde.

Aber allemal wird es weiter darum gehen: Techniken zu entwickeln, wie wir auf diese Herausforderung reagieren können, sich so zu organisieren, dass wir die Situation ernst nehmen, uns ihr aber nicht einfach ausliefern, sondern versuchen, soweit es uns möglich ist, sie zu gestalten.

Dazu gehört sicherlich zunächst einmal der respektvolle Umgang mit der eigenen Gesundheit, sowie auch der unserer Mitmenschen. Abstand halten, weil wir uns nahe stehen. Auf Distanz gehen, weil wir zusammen gehören. Immer also das Erkennen dessen, was die Stunde geschlagen hat.

Dazu gehört auch das, was uns als Christen auszeichnet. Das Gebet. Das Gebet, das Verbundenheit schenkt, das uns auch in diesen schweren Zeiten hoffen lässt, nicht ganz und gar von Gott verlassen zu sein.

Deswegen lade ich Sie ein, zu diesen Zeiten, besonders wenn um 19.30 Uhr die Glocken läuten, zu einer großen Gebets Gemeinschaft zu werden. Vielleicht in dem Sie im Kreis der Familie oder auch alleine eine Andacht aus dem Gotteslob beten oder auch das Gebet unseres Bischofs sprechen oder auch die Andacht beten, die das Refugium in Hofheim entwickelt hat.

Halten wir so als Betende die Hoffnung hoch. Sie gehört an die große Glocke.

Auch für vor uns liegenden Tage, Palmsonntag bis Ostern, werden wir Formen zur Gestaltung finden. Ich werde Sie regelmäßig darüber informieren.

Ich versichere Ihnen meine Gebete und die unseres ganzen Teams.

Teilen Sie uns Ihre Verbundenheit über diese E-Mail-Adresse mit:

w.roth@bistumhachenburg.bistumlimburglimburg.de

Ihr Pfarrer Winfried Roth

© Pixabay Rudi Grabowski
© Pixabay Rudi Grabowski

25. März 2020
Pfarrer Winfried Roth 

OFFENHEIT IN EINER GESCHLOSSENEN GESELLSCHAFT

Gasthäuser zu. Friseure zu. Fußpflege zu. ...Ein Geschäft nach dem anderen wird geschlossen.
Mehr und mehr werden wir zu einer geschlossenen Gesellschaft. Ein kleines Virus legt Großes lahm.
Umso mehr braucht es Offenheit für die Anliegen einer Zeit, die Bedürfnisse meines Nachbarn, den Respekt im Umgang miteinander, Offenheit auch für meine Befindlichkeit, meine Bedürfnisse, meine Nöte und Hoffnungen.
Wenn eine Zeit auch viele Möglichkeiten verschließt in Kontakt zu treten, stehen uns dennoch andere Möglichkeiten offen.
Das Internet kann werden, was es im Namen trägt: Netz zwischen den Menschen.
So lade wir Sie ein, sich zu öffnen und uns zu schicken was Sie bewegt. Zum Beispiel einen persönlichen Text, Gebete oder Fürbitten , um uns gegenseitig unsere Sorgen, Hoffnungen, Ängste mitzuteilen. Teilen schenkt Verbundenheit.

Pfarrer Winfried Roth

 Teilen Sie uns Ihre Verbundenheit über diese E-Mail-Adresse mit:

w.roth@bistumhachenburg.bistumlimburglimburg.de
 

© Pixabay Rudi Grabowski
© Pixabay Rudi Grabowski

31. März 2020
Gudrun Noll 

Danke Winnie! 
Dieses wort kann man nie genug aussprechen.
Ich danke Dir, daß Du für mich auch in dieser Zeit erreichbar bist.
Von Herzen wünsche ich Dir und Deinen Angehörigen: " Bleibt gesund !"
Gudrun Noll

29. März 2020
Melanie Kämpf 

Hallo Winfried, 
ich habe in diesen Tagen öfter ein kleines Buch in der Hand gehabt - man hat ja viel Zeit zum Lesen im Moment...
Das Buch hat den Titel "Eigentlich ist Ostern ganz anders" von der Autorin Andrea Schwarz.  
An einem Gebet bin ich "hängen geblieben" und ich finde, dass es auch gut in diese schwierige Zeit passt:
 

du
bist dabei

ja
ich habe angst
 
und ich fühl mich
gott verlassen
 
und
da sind die Tränen
 
und da ist
die Angst
 
und da bleibt
einsamkeit
 
und ich würde gerne
wissen
 
und muss doch
aushalten
 
gehen
schritt für schritt
 
die vorläufigkeit
leben
 
das ziel
nicht sehen
 
mich hingeben
an das leben
 
im vertrauen
du
 
bist
dabei
  
Viele Grüße,
Melanie Kämpf

29. März 2020
Doris Nolden 

Hallo Winni,
wenn Du möchtest, kannst Du meinen Text gerne auf die Homepage in das Forum Texte, Gebete, Gedanken... setzen.
LG Doris

Arche Noah 2020

Niemand konnte die Maße der Arche vorausberechnen.

Doch als die Flut zu steigen begann,

zogen wir uns ins ungeplante Innere zurück.

 

Die Türe schloss sich,

und es wurde still… fast gespenstisch still.

Nur die Kinder und die,

die der Verstand schon verlassen hatte,

lachten noch und sahen es als Spiel.

 

Im Innern der Arche saßen die Menschen

auf Sicherheitsabstand und Mundschutz.

Wer weiß denn schon,

ob Du nicht auch den Feind in Dir trägst?

 

Das Wasser hob die Arche hoch,

die steigenden Zahlenwellen schlugen hart an die Bordwand.

Die Gedanken der Menschen zogen mit der knappen Atemluft

durch die dunkle Arche.

„Angst“ hießen sie und „wie lange noch?“ und „warum?“

und „Ich auch?“ und „Der Tod“ und „Wer hat Schuld daran?“

 

Das Unbekannte, das über die Welt hereingebrochen war,

warf alle vermeintlichen Sicherheiten über Bord –

und ließ verunsicherte und entmächtigte Menschen zurück.

Wohl dem, der nicht seekrank wurde.

Wohl dem, der auf den schwankenden Planken

einen neuen Weg zu Gott entdeckte.

„Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir…“

 

Noah sitzt am verschlossenen Fenster und wartet –

in seiner Nähe die Taube,

die unruhig gurrend auf der Stelle tippelt.

Es ist noch zu früh, Noah, scheint sie zu sagen.

Kein Land in Sicht.

Die Arche erklimmt Wellenberge

und stürzt in Wellentäler.

Die Menschen klammern sich an jede Hoffnungsmeldung

und erschrecken täglich zu Tode bei jeder neuen Fallstatistik.

 

Aber es ist nicht alles still in der Arche.

Ein feines Netz von kleinen Gesten spinnt sich im Innern…

berührt… stiftet an… setzt Phantasie frei…

Gott mischt sich ein und haucht Seinen Geist in die dunkle Angst.

Und in dem feinen Netz nisten sich neue (oder alte) Begriffe ein:

Wesentliches… Liebe… Zusammenhalt… Werte… Geben… Wir statt Ich.

 

Niemand weiß, wann das giftige Wasser wieder sinken wird.

Es ist eine Zeit des Aushaltens und Betens…

Eine Zeit, unser Menschsein auf dieser Erde neu zu definieren…

Eine Zeit des Wartens und Reifens.

 

Und Noah sitzt am Fenster,

wartet auf ein Wort von Gott

und träumt davon,

dass er das Fenster öffnen wird

und die Taube

mit dem Ölzweig der Erlösung zurückkehrt.

 

Doris Nolden (29. März 2020)

25. März 2020
Cornelia Hardieß 

Hallo Winfried,
eine schöne Idee, Gedanken, Gebete… zu sammeln. Anbei sende ich Dir, was ich auf der Seite des Bistums Münster (https://www.bistum-muenster.de/seelsorge_corona/gebetsvorschlaege_und_geistliche_impulse/ ) gesehen habe und das mir sehr gut gefällt.
Liebe Grüße
Cornelia